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Berliner Spielräume

Es scheint nicht gerade die beste Zeit eine neue Clubstätte zu errichten oder Gelder in Modernisierungsmaßnahmen zu investieren. Doch was das Berliner Nachleben angeht, sprießen fast schon im Monatstakt neue Duftnoten durch die Nacht. Klar war das schon immer so, aber nicht in diesem Tempo. Da wundert es auch nicht, wenn jüngst ein TV-Sender in seinem Boulevard-Magazin sich in die Jahre gekommener Diskotheken widmet um diese neues Leben einzuhauchen. Das allgemeine Nachleben blüht mehr auf als viele denken. Ein Club benötigt heutzutage keine Seele mehr um zu existieren. So widersprüchlich das auch sein mag, ist die Seele aber immer noch Voraussetzung für einen konstant gut laufenden Club.

Das Programm, der Sound, die DJs, eine angemessene Optik und die Gäste müssen stimmen, genauso wie der Preis an der Tür und Bar. Der Charakter, der Charme und die Lage des Clubs sind ebenso wichtig wie das erste Erscheinungsbild an der Tür. Wie wird man begrüßt, welche Spannung baut sich auf und wie viel Energie kann schlussendlich frei gesetzt werden. Es gibt zum Glück noch diese Clubs, die von einer solchen komplexen Seele leben. Nehmen wir das Berghain, Watergate, Tresor, Weekend, Maria oder WMF. Hier gibt es Programmtechnisch mit das Beste was Berlin zu bieten hat. Doch was wäre das Berliner Nachleben ohne den Tourismus, die niedrigen Hotelpreise und der bequeme Easyjet-Flug von A nach B! In der Regel sprechen wir in jeder Wochenendtäglichen Partynacht von über 60 Feierstätten in ganz Berlin, die sich alleine auf elektronischen Sound festlegen. Junge Kultstätten wie der Ritter Butzke schaffen Freiräume für neues. Da gibt es eine Menge Enthusiasten die ihre jahrelange Erfahrungen bündeln und einen Traum war werden lassen. So schnelllebig ist nur Berlin. Wird kurzerhand ein Laden geschlossen, gibt es neue Betreiber die den Laden ein neues Konzept geben.

Schauen wir auf den M-Bia Club, der früher den Namen H2O trug und heute eine Zielgruppe bewegt, die Veränderungen offen gegenüber steht. Überall wird ein Stück vom großen Kuchen gebacken und den Nachtschwärmern schmackhaft gemacht. In Lichtenberg gibt ein Club mit dem Namen „Spielraum“. Selbst dieser musste einige Veränderungen durch machen, bis man langfristig nach vorne schauen konnte. Von zwanghaften Namen wie Zelle oder Transformer war hier zuletzt die Rede. Im neuen „Spielraum“ und neuer Besetzung wird man sich schon bald mit einer gigantischen Led-Light-Anlage rühmen. Wo früher an der Oberbaumbrücke, direkt neben dem Watergate der ehemaligen 103 Club residierte, machten sich fündige kurzerhand an den DotClub. Knapp ein Jahr danach ist auch dieser Pleite. Nun wird es der legendäre Magnet Club versuchen und einen Umzug dorthin wagen. Ob es gelingt ihr altes Prenzlauer Berg Publikum nach Kreuzberg zu bewegen wird sich zeigen. Für großes Aufsehen sorgte vor knapp einem Jahr der Dice Club. Viele Augen richteten sich auf den damals geheimnisvollen Auftrag in Berlins Mitte. Der schlechte Start zieht jedoch viel Spott mit sich und noch heute wird versucht eine klare Linie zu fahren. Der Standort von Dice Club ist perfekt, die Location hat großes Potenzial. Fremdwerstalter schaffen es hin und wieder ihr Netzwerk zu bewegen den Club zu besuchen. Hier fehlt es langfristig ein gutes Konzept auf die Beine zu stellen. Manchmal brauch es eben kein Konzept um einen Club ins Laufen zu bringen. Szene-Leute Wissen schon wo die beste Party rockt. Das bewies zuletzt der Club Morlox im Friedrichshainer Kietz, wo auch der Mikz Club sein zu Hause hat. Dass dieser Standort funktioniert beweist der Suicide Club direkt an der Warschauer Brücke, der nun auf ein erfolgreiches Jahr zurück blicken darf. Gleich nebenan im Astra Kulturhaus füllen Konzerte das Haus. Das gesamte Gelände direkt nebenan wie der RAW-Tempel oder Cassiopeia hat sein ganz besonderes Eigenleben. 2010 ist der Beginn eines neuen Jahrzehnts. Das dachten sich auch die Betreiber des gleichnamigen Clubs „2010“ am S-Bahnhof Landsberger Allee.

Das Jahr 2010 startet mit einer ganz besonderen Entwicklung über die Musikkultur in Berlin und benötigt im Endeffekt nur eines, den Gast.

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